Partnerwahl: Wie suchen wir unseren Partner aus?

Wie funktioniert die Partnerwahl

Wie suchen wir eigentlich unseren Partner aus, welche Faktoren spielen bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle und warum verlieben wir uns in den einen Menschen und in den anderen nicht? Hierzu gibt es verschiedenste Theorien von Evolutionsbiologen und Psychologen. Liegt es allein am Aussehen, am Charakter oder sogar nur am Geruch?


RIECHEN

Der Geruch: Liebe geht durch die Nase

Der Geruchssinn ist der älteste unserer Sinne. Er steuert so einiges, was unsere Gefühle betrifft. Viele Wissenschaftler*innen und Geruchsforscher*innen vermuten, dass wir unseren Partner oder unsere Partnerin gar nicht bewusst wählen, sondern dass unbewusste Eindrücke einen Menschen für uns anziehend machen – beispielsweise der Körpergeruch. Also geht Liebe von der Nase direkt ins Herz? Jein. Unsere Nase mit ihren 350 Geruchsrezeptoren ist das Sinnesorgan mit dem direktesten Zugang zum Hippocampus, dem Erinnerungszentrum im Gehirn, und zum limbischen System, dem Gefühlszentrum. Riechen ist für Emotion und Erinnerungen demnach wichtiger als Sehen, Hören oder Tasten.

So riecht der perfekte Partner

Über den Geruch können wir das genetische Profil unseres Gegenübers ermitteln. So prüfen Frauen bei der Partnerwahl subtil das Erbgut des Mannes. Forscher fanden heraus, dass Frauen erschnuppern können, wer gut zu ihnen passt. Der Biologe Claus Wedekind der Uni Bern ließ Studentinnen an verschwitzten T-Shirts von Männern riechen (irks!?). Das Ergebnis: Während der fruchtbaren Tage bevorzugten die Probandinnen mit großer Treffsicherheit den Körpergeruch von Männern, deren Genstruktur sich stark von ihrer eigenen unterscheidet.

Evolutionsbiologisch durchaus sinnvoll, denn je unterschiedlicher der Genpool beider Partner, desto höher die Chancen auf gesunden Nachwuchs. Die Natur will zusammenbringen, was genetisch unterschiedlich ist und den besten Immunsystem-Mix hat, um Inzucht zu vermeiden – und Frauen beweisen dabei den richtigen Riecher. Bezüglich des Körpergeruchs ziehen sich Gegensätze also an, damit die Chemie stimmt.  

Auch Ilona Croy, psychologische Psychotherapeutin von der TU Dresden, hat für eine Studie ihre Nase in anderer Leute Angelegenheiten gesteckt. Sie fand heraus, dass Paare, deren Genpool relativ unterschiedlich ist, zufriedener sind mit ihrem Sexleben, häufiger Babys miteinander haben möchten und ihre Partnerschaft positiver bewerten.

Geruchsblind durch die Pille?

Die Pille beeinflusst das Geruchsempfinden. Wedekinds „Schnüffeltests“ zeigten auch: Nehmen Frauen die Pille, wählen sie Männer, die ein ähnliches genetisches Profil haben. Die Pille simuliert eine Schwangerschaft. Das weckt den Wunsch nach einem Beschützer statt nach passendem Erbgut. Diesen finden sie am ehesten im Kreise der Familie, bei genetisch ähnlichen Menschen. Sollten wir bei der Partnerwahl also nicht nur die rosarote Brille sondern auch die Pille absetzen?

Das stimmt nur zum Teil. Moderne Pillen erzeugen nicht immer eine Scheinschwangerschaft, sondern verhüten auch über andere Mechanismen. Damit können sich Frauen unter Umständen auch bei Verhütung mit der Antibabypille auf ihr Näschen verlassen. Übrigens: Auch ein starkes Parfüm kann den Eigengeruch eines Menschen nicht gänzlich übertünchen und uns an der Nase herumführen. Der für die Partnerwahl wichtige Geruch wird von den Schweißzellen hergestellt – es sind die subtilen Nuancen des Körperdufts, die wir nur unbewusst wahrnehmen.

Die Macht der Pheromone bei der Partnerwahl

Der richtige Riecher bei der Partnerwahl

Pheromone sind (sexuelle) Botenstoffe, die der chemischen Kommunikation zwischen Lebewesen der gleichen Art dienen. Schöner gesagt: Sie sind unbewusste Liebesboten. Im Tierreich ist diese Art der Kommunikation weit verbreitet. Mäuse verfügen über etwa 300 verschiedene Gene für Pheromonrezeptoren; wir Menschen nur etwa 5. Dennoch gibt es bestimmte Duftstoffe, die einen der menschlichen Rezeptoren aktivieren – Hedion ist ein solcher Stoff.

Hanns Hatt, Geruchsforscher an der Ruhr-Universität Bochum, untersucht mit seinem Team Sexuallockstoffe (Pheromone) und ihre anziehende Wirkung auf Frau und Mann. Hatt konnte jetzt zeigen, dass der Duftstoff Hedion (Magnolienduft) einen der Pheromonrezeptoren in der Nasenschleimhaut des Menschen aktiviert, was bei klassischen Riechstoffen nicht passiert. Dies liefert einen starken Hinweis, dass es eine Pheromonwirkung auch wirklich bei Menschen gibt.


SEHEN

Das Aussehen bei der Partnerwahl

Wie wichtig das Aussehen bei der Partnerwahl ist und welchen Anteil es an einer gelingenden Partnerschaft hat, wurde bereits in unzähligen Studien erforscht. Wissenschaftler*innen gelangten dabei immer wieder zu der Erkenntnis, dass das Aussehen die Initialzündung für die Partnerwahl ist – sie bringt sie also in Gang. Und worauf achten wir beim Aussehen unseres Gegenübers?

Grundlegend wählen Menschen Partner*innen, die ähnlich gut aussehen, wie sie selbst – also „in der selben Liga spielen“. Gemäß verschiedener Studien ist Männern das Aussehen ihrer Partnerin bzw. ihres Partners wichtiger als Frauen. Eine YouGov-Umfrage mit 2.000 Befragten ergab, dass nur 7% der Frauen die Optik eines Partners am wichtigsten ist, während das unter den Männern 17% angaben.

Männer mögen mehrheitlich symmetrische und kindlich wirkende Gesichtszüge mit großen Augen, hoher Stirn,  einem vollen Mund, glatter Haut und einem rundlichen Gesicht. Diese Merkmale des „Kindchenschemas“ wecken die Beschützerinstinkte. Außerdem suggerieren feminine Gesichtszüge einen hohen Östrogenspiegel, der wiederum von Gesundheit und Fruchtbarkeit zeugt. Frauen sind in dieser Hinsicht ambivalenter. Männer mit maskulinen Gesichtszügen, einem starken Kinn und markanten Wangen- und Kieferknochen werden als attraktiv empfunden, weil sie Stärke und Fitness vermitteln. Allerdings weckt dies auch die Annahme, die Männer könnten untreu oder sogar aggressiv sein. Weichere, femininere Gesichtszüge werden ebenfalls schön empfunden und vermitteln ein Gefühl von Wärme, Familiensinn und Treue.

Attraktivität dank Eisprung?

Im Gegensatz zum Tierreich, sieht man Frauen ihre fruchtbare Tage nicht an. Forscher*innen vermuteten, dass sich dahinter das Prinzip der Monogamie verbirgt. Der heimliche Eisprung sichere Frauen demnach die Aufmerksamkeit des Mannes nicht nur während der fruchtbaren Zeit – ganz schön clever! Vor ein paar Jahren fand ein Forscher-Team jedoch heraus, dass die fruchtbare Phase des weiblichen Zyklus wohl doch doch nicht ganz so „unsichtbar“ ist.

Wissenschaftler*innen der University of Newcastle fotografierten die Gesichter von 48 Frauen kurz vor dem Eisprung und  in der unfruchtbaren Zyklusphase. Diese Bilder legten die Forscher*innen 130 Frauen und 130 Männern vor. Sie sollten beurteilen, auf welchem Foto sie das Gesicht attraktiver fanden. Die Mehrheit der Männer und Frauen fühlte sich von den Gesichtern angesprochen, die kurz vor dem Eisprung aufgenommen wurden. Was genau sich äußerlich verändere, ist unklar. Die Farbe und die Größe der Lippen, Beschaffenheit der Haare, der Grad der Pupillenerweiterung und die Hautfarbe seien Faktoren.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Der Wahrnehmungsforscher David Perrett (St. Andrews University, Schottland) hat untersucht, ob wir uns zu Menschen hingezogen fühlen, die uns ähnlich sehen. Dazu veränderte er Gesichter von Testpersonen am Computer so, dass sich weibliche Gesichter in männliche verwandelten und umgekehrt. Diese Bilder wurden dann den Versuchspersonen vorgelegt. Die Probanden erkannten sich zwar nicht bewusst wieder, reagierten aber sehr positiv auf ihr gegengeschlechtliches Abbild.

Optische Ähnlichkeit spielt aber nicht nur bei der Partnerwahl eine Rolle, sondern auch noch in einer langfristigen Beziehung. Forscher*innen der Universität Michigan haben über Jahre entstandene Fotos von Partnern in Langzeitbeziehungen untersucht. Tatsächlich war eine Annäherungen der Gesichtszüge bei Paaren erkennbar, die über 25 Jahre zusammen waren. Gründe könnten die gleiche Ernährung und Lebensführung sein. Besonders schön: Partner, die ihre Beziehung als glücklich beschrieben, zeigten eine auffällige äußere Ähnlichkeit. Die Forscher erklärten, dass Menschen, die viel miteinander lachen, die gleiche Art Lachfalten entwickeln. ♥️

Das Aussehen bei der Partnerwahl

Forschungen ergaben außerdem, dass sich etwa 80% der Menschen einen Partner wählen, der ihrem gegengeschlechtlichen Elternteil ähnelt. Ein Mann wählt eine Frau, die seiner Mutter ähnelt. Eine Frau fühlt sich tendenziell zu Männern hingezogen, die ihrem Vater ähneln. Ob dies wirklich zutrifft, hängt aber von der jeweiligen Beziehung zu den Eltern ab.

Der Halo-Effekt

Attraktiven Menschen schreiben wir unbewusst auch positive Eigenschaften zu. Wissenschaftler*innen führen dies auf die Evolution zurück. Gutes Aussehen bedeutet Gesundheit, bedeutet starke Nachkommen. Manchmal überstrahlt dieser Eindruck auch andere Faktoren. Man spricht dabei vom Halo-Effekt (engl. von Heiligenschein). Er ist eine kognitive Verzerrung, die darin besteht, von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte zu schlussfolgern. Dies bedeutet, dass wir einzelne Eigenschaften eines Menschen (Attraktivität, finanzielle Situation, Manieren etc.) mit anderen verknüpfen, obwohl es faktisch keinen Zusammenhang gibt. Dies „überstrahlt“ somit den Gesamteindruck einer Person unverhältnismäßig – sowohl positiv als auch negativ.

Der Halo-Effekt tritt oftmals auf, wenn der zu Beurteilende eine besonders hervorstechende Eigenschaft besitzt und der Beurteiler auf diese Eigenschaft besonderen Wert legt. Schnell kann damit ein besonders hübscher Mensch auch als besonders interessant eingestuft werden. Aber: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Es lohnt sich zweimal hinzuschauen und sich nicht blenden zu lassen von einzelnen Verhaltensweisen oder Eigenschaften. Ist dieser hübsche Typ wirklich so nett und gebildet oder ist es nur sein Halo?


FÜHLEN

Der Charakter – Oldie but Goldie bei der Partnerwahl

Persönlichkeit spielt bei der Partnerwahl für die Mehrheit der Deutschen die wichtigste Rolle. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage.

Das Wichtigste bei der Partnerwahl für Frauen

Den Befragten wurden 6 Eigenschaften eines Partners genannt: Persönlichkeit, Humor, Intelligenz, gleiche Interessen, Aussehen und Geld. Diese galt es zu priorisieren. 56% Prozent der Frauen und 51% der Männer setzten Persönlichkeit an die Spitze. Etwa jede 6. Frau (17%) hielt Humor für die wichtigste Eigenschaft eines Partners. Bei den Männern sah das nur jeder 9. so.

Das Wichtigste bei der Partnerwahl für Männer

Wer passt charakterlich zu mir?

Die Sympathieforschung (ja, die gibt es wirklich) weiß: Menschen sind sich sympathisch, wenn sie Übereinstimmungen feststellen. Haben Menschen ähnliche Denk- und Verhaltensmuster, ähnliche (gute oder schlechte) Erfahrungen im Leben gemacht oder ähnliche Entscheidungen getroffen, sind sie sich tendenziell sympathisch. Daher suchen Menschen – bewusst oder instinktiv – Partner*innen, die ihnen selbst ähnlich sind. Übrigens: Gemeinsame Interessen sind kein Charaktermerkmal. Sie sind zwar eine Bereicherung für die Beziehung und können ein Paar zusammenkitten, aber allein nicht die Basis einer stabilen Partnerschaft sein.

Die meisten Menschen wählen einen Partner, der etwa gleich alt ist. Auch hier greift das Ähnlichkeitsprinzip: Wer ein annähernd gleiches Alter hat, hat seine Kindheit und Jugend in derselben Zeit verbracht. Das verbindet. Statistiken zeigen, dass Beziehungen mit einem geringen Altersabstand stabiler sind, als Beziehungen mit großen Unterschieden. Ein ähnliches Bildungsniveau ist bei der Partnerwahl ebenfalls von Vorteil. Das Gleiche gilt für das soziale Milieu.


Wie sind Deine Erfahrungen zu diesem Thema? Wie wichtig ist Dir der Geruch Deines Partners? Denkst Du, man kann sich nur in das Äußere von jemandem verlieben oder ist es im Endeffekt völlig egal? Wir freuen uns auf Deine Geschichte in den Kommentaren. 

 

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